Aktuelles-Icon

News

2016-01-15

Drei (+1) Fragen an Marcus Holtkötter, Mitinitiator der Initiative "Wir machen Euch satt"

Drei (+1) Fragen an Marcus Holtkötter, Mitinitiator der Initiative "Wir machen Euch satt"
Marcus Holtkötter ist Mitinitiator der Demonstration "Wir machen Euch satt."
Er ist außerdem Ackerbauer, Sauenhalter, Schweinemäster, Strohhändler. Er hat die Informationsplattform "Frag den Landwirt" auf Facebook mitbegründet und ist auf Twitter @BauerHolti.

1. Sie werden am 16. Januar in Berlin zum Auftakt der IGW unter dem Motto „Wir machen Euch satt“ demonstrieren. Was treibt Sie ausgerechnet auf die Straße, was man nicht auch im Dialog über Medien oder mit der Politik sagen könnte?

Unsere Demo ist im letzten Jahr sehr spontan aus einem Frust heraus entstanden. Der mediale Druck, oft ideologisch geprägt, stört sehr viele Landwirte. Wir fühlen uns oft zu unrecht angeprangert und diffamiert. Viele Dinge werden völlig falsch wiedergegeben und sind fachlich völlig falsch. Auch aus der Politik erhalten wir in den letzten Jahren immer wieder Nackenschläge. Das geht soweit, dass auf unsere Kosten Wahlkampf betrieben wird. Sehr viele meiner Berufskollegen wie auch ich, fühlen uns durch die "Wir haben es satt"-Bewegung zu unrecht an den Pranger gestellt. Vor allem störte uns, dass dort immer von einer Bauerndemo geredet wird, die Veranstalter aber Lobbyisten aus allen möglichen Verbänden und Vereinen sind, die sich sogar teils gegen 90 Prozent der Landwirte in Deutschland aussprechen.
So kam die Idee selbst was auf die Beine zu stellen, ohne Verbände, direkt von der Basis. Wir Landwirte können selbst für uns sprechen, dafür benötigen wir keine Bevormundung durch BUND, Albert Schweizer Stiftung und Co.

2. Im jeweils anderen Demonstrationszug laufen ja auch Landwirte mit. Was trennt Sie - und möglicherweise - was verbindet Sie?

So viel trennt uns von den dort mitlaufenden Landwirten nicht. Uns ist auch an fairen Preise für unsere Produkte gelegen. Nur können wir nicht Seite an Seite mit Leuten laufen, die sich klar gegen uns aussprechen. Dazu gehören unter anderem die Positionen: Keine Tierhaltung, nur Bio, nur kleinstrukturierte Betriebe. Das können wir nicht mittragen.

3. Wie sieht Ihre Zukunfts-Vision der Landwirtschaft in Deutschland aus?

Ich sehe für Deutschland eine vielfältige Landwirtschaft von großen Agrargenossenschaften bis zu kleinen Nebener-werbsbetriebe, Bio und Konventionell, Ackerbau, Sonder-kulturen, Direktvermarkter, Tierhalter usw.
Deutschland ist landschaftlich nun mal sehr unterschiedlich und somit auch die Landwirtschaft. Es ist nicht für jeden möglich, Direktvermarktung zu betreiben, weil ihm schlichtweg die Kunden vor der Haustür fehlen. In anderen Regionen herrscht Grünland vor, dort macht der Anbau von Getreide keinen Sinn.

4. Könnten Sie sich auch vorstellen einmal gemeinsam auf die Straße zu gehen?

Es gibt einige wenige Positionen der "Wir haben es satt"-Bewegung, die wir auch unterstützen. Hier ist z.B. die derzeitige Preissituation bei Milch und Schweinefleisch zu nennen. Im Grunde also die Forderung nach gerechten Preisen. Nur können wir diese Probleme nicht mit Hilfe von medialer Skandalisierung lösen, sondern wir müssen einen Weg finden, das sachlich zu diskutieren. Wir müssen hier auf wissenschaftlicher Basis bleiben. Ob dann eine Demo überhaupt noch notwendig ist, sei mal dahingestellt.