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2016-02-15

Drei Fragen an Politikberater und Blogger Martin Fuchs zu den Landtagswahlen im März

Wo wird der beste Online-Wahlkampf gemacht und wie mit der AfD umgehen? Wir haben nachgefragt.

Drei Fragen an Politikberater und Blogger Martin Fuchs zu den Landtagswahlen im März
1. Am 13 März stehen in drei Bindestrich-Ländern Landtagswahlen an, in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. In welchem Bundesland wird der beste Online-Wahlkampf gemacht?

Die Unterschiede sehe ich nicht so sehr in den Bundesländern, sondern eher bei den Parteien. Die FDP ist in allen Ländern online ziemlich stark. Die Liberalen sind im Vergleich zu den anderen Parteien best practice. Auch die Linken machen gute Arbeit. Bei den Reichweiten hingegen kommt niemand an der AfD vorbei. Ihre Themen werden am stärksten verbreitet und debattiert. Die Reichweite der Partei dürfte online am größten sein.

Die Regierungsparteien und insbesondere die SPD haben das Thema Social Media viele Jahre verpennt. Da hat man lange gedacht: Läuft doch auch so. Jetzt merkt man, dass die Stammwähler aussterben und es eben nicht mehr läuft. Die heiße Wahlkampfphase beginnt allerdings erst in zwei Wochen. Kann sein, dass sich dann doch noch etwas tut.

2. Gerade mit der AfD scheinen die etablierten Parteien nicht umzugehen zu können. Zumindest, wenn es um TV-Runden geht. Schaffen sie es wenigstens online?

Online sind die Reaktionen schneller und auch pointierter. Als zum Beispiel herauskam, dass gegen den Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt ein Haftbefehl vorliegt, haben die politischen Gegner auch sofort online darauf reagiert.

Die Frage ist aber auch in den sozialen Netzwerken: Muss ich über jeden Stock springen, den mir die AfD hinhält? Das schafft ja auch zusätzliche Aufmerksamkeit. Hier kann man sich auch mal zurückhalten.
Sachliche Diskussion und ein Austausch von Argumenten ist jedoch immer möglich. Gerade im Netz. Nichts zu tun ist in jedem Fall die falsche Entscheidung. Dann bespielen die anderen das Feld.

3. Sachliche Diskussion im Netz? Der Ton in den Sozialen Netzwerken ist doch notorisch rau. Wie soll die Politik damit umgehen?

Es gibt einen Unterschied zwischen Pointe und Hate Speech. Also ob ich meine Meinung zugespitzt ausdrücke oder ob ich hasserfüllte Kommentare abgebe. Der kleine Anteil von Hate Speech nimmt in der Berichterstattung über Online-Diskussionen einen überproportional großen Anteil ein. Gute Debatten sind möglich und werden auch geführt.

Und das das Netz braucht die Parteien. Wenn sie sich aus Scheu vor den pointierten Debatten zurück ziehen, kann das üble Folgen haben. Schon heute gibt es echte Parallelgesellschaften im Netz. Diese Leute holen sich nur Informationen von Seiten, die ihrer Meinung sind. Für die Mainstream-Medien sind sie verloren und damit auch für einen offenen Diskurs. Das ist hochgefährlich für unsere Demokratie.


Über Martin Fuchs
Martin Fuchs (36) berät Regierungen, Parlamente, Parteien und Verwaltungen in digitaler Kommunikation. Zuvor war er Politik- und Strategieberater in Brüssel und Berlin. Seit 2008 ist er Lehrbeauftragter für Public Affairs an der Universität Passau und Dozent für Social Media und Politik an weiteren Hochschulen. Zudem ist er Gründer der Social-Media-Analyse-Plattform Pluragraph.de und bloggt über Social Media in Politik und Verwaltung unter www.hamburger-wahlbeobachter.de.