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2016-03-29

Drei Fragen an Jürgen Killenberger - ARD-Kameramann in Kobane, Syrien

Drei Fragen an Jürgen Killenberger - ARD-Kameramann in Kobane, Syrien
Der Bürgerkrieg in Syrien jährt sich in diesen Tagen zum fünften Mal. Jürgen Killenberger ist derzeit als Kameramann für die ARD im syrisch-kurdischen Kobane. Die Stadt ist zu traurigem Ruhm gelangt weil sie im September 2014 vom islamistischen IS angegriffen und fast dem Erdboden gleich gemacht wurde. Rund 300.000 Menschen sind geflohen und eine kleine Einheit verschiedener Kampftruppen hat die Stadt verteidigt. Es kam zum "Kampf um Kobane". Seit Februar 2015 gilt die Stadt als befreit, die ersten Einwohner kehren in das Trümmerfeld zurück.



Herr Killenberger, Sie haben schon viel gesehen, von den Kriegshandlungen im Kongo bis zum Sturz von Saddam Hussein im Irak: Wie sieht es in Kobane aus?
Als ich Ende Januar 2015 das erste Mal nach Kobane kam, war ich geschockt. Fast die ganze Stadt lang in Trümmern und es hat mich sehr an die Weltkriegsbilder von Berlin 1945 erinnert. Das kann man nie wieder aufbauen, dachte ich mir. Als ich im August 2015 dann wiederkam, lebten schon einige 10.000 Menschen dort. Der Aufbau hatte begonnen und das Leben zog zurück in die ehemalige Geisterstadt. Überall waren Bagger zu sehen, welche Ruinen einrissen, um Platz für Neues zu schaffen. Restaurants und Shops hatten eröffnet. Jetzt bei meinem letzten Aufenthalt zu Beginn dieses Jahres, erfolgte die Ernüchterung. Der Aufbau geht zwar voran, wird aber durch die Türkei blockiert. Wichtiges Baumaterial darf nicht über die nahe Grenze nach Kobane. Trotzdem verlieren die Menschen nicht den Mut und arbeiten weiter am Wiederaufbau. Mit vollem Stolz. Über 35.000 Menschen leben wieder hier.

Wie geht es Ihnen dabei? Die Versorgungslage ist ja immer noch schlecht und die Gebäude kaum bewohnbar.
Nun, uns als Journalisten geht es ja verhältnismäßig gut. Wir sind ja nur für ein paar Tage dort und finden uns mit den Gegebenheiten dort ab. Das heißt, wir schlafen im Schlafsack und machen ein paar Tage Katzenwäsche, da es in unserer Unterkunft keine Heizung gibt und auch kein heißes Wasser. Restaurants haben zum Teil wieder geöffnet. Härter trifft es da die mittlerweile 35.000 Menschen, die wieder in Kobane leben. Die Blockade der Türkei verhindert, dass sich schnell etwas bessert. Das ist traurig.

Wie gehen Sie mit all dem um, was Sie sehen und erleben?
Ich denke es ist wichtig, über das Leid von Menschen in diesen Kriegsgebieten zu berichten. Ich mache meine Arbeit sehr gerne und hoffe, dass sich mit den Bildern, die ich aus den Krisen-gebieten mache, und die einem breitem Zuschauerpublikum zugänglich gemacht werden, etwas für die Menschen dort bessert. Ich habe den großen Vorteil, dass ich nur kurze Zeit in diesen schlimmen Orten bin und dann wieder nach Hause kann. Das können die Menschen dort nicht. Zum Glück hat das Elend, das ich dort teilweise erlebe, noch nicht meine Seele erreicht. Darum kann ich diesen Job nach wie vor ausüben.

Zur Person
Jürgen Killenberger ist bereits seit 16 Jahren für die ARD als Kameramann in Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt unterwegs. In den letzten Jahren vor allem im Arabischen Raum und da vor allem im Irak, in Syrien und Ägypten. Dort lebt und arbeitet er auch. Jürgen Killenberger ist Geschäftsführer und Kameramann der Stuttgarter Produktionsgesellschaft Bildmanufaktur.