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2016-06-10

Video: Drei Fragen an: Bea Johnson - Guru der Zero-Waste-Bewegung im Interview.

Video: Drei Fragen an: Bea Johnson - Guru der Zero-Waste-Bewegung im Interview.

Bea Johnson gilt als der "Guru" der internationalen Zero-Waste Bewegung. Die geborenen Französin und jetzige US-Bürgerin lebt in Kalifornien und ist dort als Bloggerin, Autorin und TV-Star bekannt. In Europa stellt die nun ihr neues Buch vor: "Zero Waste. The ulimative Guide to Simplifying your Life". Am Mittwoch, den 8. Juni war sie in Berlin. Isabella Pfaff hat mir ihr gesprochen. 

mfm: Frau Johnson, wann haben Sie für sich entschieden, Ihr Leben zu vereinfachen bzw. ein Leben im Geiste des „Zero Waste“ zu leben?


"Ich habe das bei einem Umzug 2008 gemerkt, als wir in ein kleineres Haus zogen und ein Teil unserer Möbel zunächst zwischenlagern mussten. Und nach einem Jahr haben wir festgestellt, dass wir die eigentlich gar nicht brauchten. So hat das alles angefangen. Was man nicht braucht, das muss man auch nicht einkaufen, saubermachen, darauf aufpassen, erneuern oder auffüllen. Es macht das Leben bequemer und einfacher."

mfm: Frau Johnson, was könnten Sie mir als Anfänger des „Zero Waste“ empfehlen, womit sollte ich anfangen, was kann ich in meinem Haushalt denn am leichtesten aufgeben?

 „Zunächst gilt: „Zero Waste“ hat nichts mit Aufgeben oder Verzicht zu tun. Es geht vielmehr darum einen neuen Lebensstil zu führen und dafür neue Lösungen zu finden. Zeros Waste ist eigentlich ganz einfach: Sie müssen nur fünf Regeln beachten, und die heißen: Refusing, Reduceing, Re-Useing, Recycling and Rotting, Und so wirds umgesetzt:

1. Refusing, also ablehnen, was Sie nicht brauchen.
2. Reducing, also das reduzieren, was Sie brauchen.
3. Re-Using, also das wiederverwenden was Sie brauchen und können.
4. Recycling, also wieder in den Kreislauf zurückbringen, was Sie nicht ablehnen, reduzieren oder wiederverwenden können.
5. Rotting, also den Rest kompostieren.

Die erste Regel ist vielleicht die wichtigste. Überlegen Sie mal, wie oft Sie Dinge annehmen, die Sie nicht wirklich brauchen: Eine Plastiktüte im Supermarkt hier, einen geschenkten Kuli oder andere Werbegeschenke auf einer Messe da, da kommt übers Jahr schon einiges zusammen und das erhält die Nachfrage aufrecht, sodaß diese Dinge immer weiter produziert werden. Aber eigentlich braucht man sie nicht."

mfm: Sie zeigen auf Ihrer Homepage, und haben es auch anschaulich mitgebracht, der gesamte Abfall Ihrer Familie im Jahr 2015 geht in ein Marmeladenglas. Wie ist das aber mit Essens-Abfällen, die sind da ja nicht mitgerechnet.

„Nein, das Marmeladenglas zeigt natürlich nicht das, was wir kompostieren. Kompostieren ist nicht nur die letzte Regel beim „Zero Waste“, sondern auch die letzte Zuflucht, wenn man das mal so nennen will. Denn je mehr Sie ablehnen, reduzieren oder wiederverwenden, desto weniger müssen Sie am Ende kompostieren. Und ich kann stolz sagen, wir produzieren zu Hause überhaupt keine Essens-Abfälle mehr. Einfach, weil wir einen Kühlschrank mit Schubladen haben und alles in Glasbehältern frisch halten. So behalten wir den Überblick. Ich sehe, exakt was ich noch im Haus habe und bevor ich Einkaufen gehe. Ich mach quasi Inventur vor jedem Einkauf. Ich koche auch keine komplizierten Dinge mehr, sondern ich koche jeden Abend einfache Menüs. "

mfm: Das hört sich aber nach viel Zeit an, die Sie dann in Ihren Haushalt stecken müssen?

"Die Menschen denken immer, dass ich eine Menge Zeit auf meine Abfälle verwende - genau das Gegenteil ist wahr: Ich habe einen Full-Time Job, ich kann mir das gar nicht leisten. Es kostet aber auch keine Zeit zu entscheiden ob man Second Hand kaufen will, oder ob man offene Waren oder verpackte Waren kaufen will. Hat man einmal umgestellt, geht das genau so schnell wie vorher."

mfm: In Deutschland hat man so ein Bild im Kopf, dass der, der Zero Waste lebt, in selbst gestrickten Socken rumläuft, nur Müsli ißt und kein Make-Up trägt. Sie aber leben in einem schönen Haus mit schönen Möbeln und kleiden sich modisch. Wie passt das zusammen?

"Ich weiß, Menschen denken, wenn man Zero Waste lebt, dann muss man ungepflegt aussehen und im Urwald leben oder unrasierte Beine haben. Das ist aber nicht so. Jeder kann es machen, Man kann seinen persönlichen Lifestyle leben und seinen persönlichen Stil pflegen.
Ich ziehe mich zum Beispiel gerne schön an, aber alles ist durchdacht und Second-Hand gekauft. Ich habe nicht mehr als zwei, drei Hosen im Schrank, und zwei drei Kleider sowie drei Röcke. Aber ich kann alles so kombinieren, dass es für jede Gelegenheit passt. Reduzieren heißt doch nicht, dass es hässlich sein muss. Ich reduziere die Menge, nicht die Qualität."

Bea Johnson ist gerade auf Europa-Tournee. Wer zu ihren Vorträgen kommen will, anbei eine Übesicht über die Auftrittsorte.