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2016-06-18

Michael Sandel - Der Star-Philosoph über Moral im digitalen Zeitalter

Michael Sandel - Der Star-Philosoph über Moral im digitalen Zeitalter
Ist es möglich, dass ich meine Privatsphäre selbst verletzen kann? Obwohl ich zugestimmt habe, meine personenbezogenen Daten für einen digitalen Anbieter freizugeben? Wie stehen wir zu digitalen Accounts von Verstorbenen, die automatisch gepflegt werden können und damit weiterleben? Google liest per Roboter Mails mit, die per GMail versendet werden. Darauf hin bekommt man individualisierte Werbung zugeschickt. Ist das eine Verletzung des Postgeheimnisses, obwohl es kein Mensch ist, der da mitliest, sondern ein Roboter? 
Fragen über Fragen - und mit jeder Frage wird die Antwort schwieriger. Michael Sandel nimmt sein deutsches Publikum im Berliner Basecamp mit auf eine Reise durch die neuen moralischen Fragen im digitalen Zeitalter. Das Basecamp am 14. Juni ist brechend voll - und der CEO von TelefonicaO2 Deutschland, Thorsten Dirks persönlich, macht an diesem Abend die Begrüßung.
Michael Sandel, Professor in Havard, gilt als der neue Star am Pilosophie-Himmel in den USA. Seine "Lectures" führt er auch schon mal von 15 000 Menschen durch, seine Videos haben Millionenabrufe. Wenn er als Person vor einem steht, wirkt er eher klein und schüchtern, auf alle Fälle unscheinbar. Das ändert sich nicht, wenn er spricht. Das ändert sich, wenn er fragt.

Dann gelingt dem Philosophie-Professor mit dem schütteren Haar etwas Unglaubliches. Er doziert ein, zwei Sätze, stellt eine Frage ins Publikum, nimmt die Antwort auf, um daraus dann seine Gedanken weiter zu entwickeln, um neue Fragen zu stellen, die wiederum aus dem Publikum beantwortet werden - es gelingt ihm eine geradezu magische Verbindung mit dem Publkum herzustellen. Und obwohl er vermutlich auf seine Fragen schon hundertmal diesselben Antworten gehört hat, gibt er einem das Gefühl, als seis das erste Mal. Er lässt einen Protagonisten aus dem Publikum aber auch nicht mit einer einzigen Fragen oder Antwort davonkommen. Wer sich meldet, muss mitdiskutieren, so entsteht oft ein mehrfaches Frage-Antwort-Spiel zwischen Professor und dem Protagonist aus dem Publikum. Und mit jeder Antwort wird die nächste Frage schwerer. Irgendwann merkt man, dass all die Fragen nicht willkürlich sind, sondern ein Ziel haben, das mit jeder Frage näher rückt. Jede Frage macht eine neue Tiefe auf, bis zu dem Punkt, an dem das Publikum den Professor alleine lassen muss, denn es wird ratlos. Mann stößt an Grenzen. Denn wie auch Michael Sandel zugibt, auf viele Fragen gibt es (noch) keine passende Antwort. Jedem ist aber an diesem Abend klar: Die Digitalisierung hat unser Leben bereits, und wird es weiter, grundlegend verändern. Und wir können noch nicht absehen, was das für unsere Gesellschaft oder für jeden Einzelnen heißt. Unser bisheriges Denken und Tun, unser bisheriges moralisches Empfinden wird erschüttert. Noch versuchen wir mit den alten Ansätzen die neue Welt zu verstehen und zu beherrschen - beispielsweise durch Gesetze. Doch schon wenige Fragen von Michael Sandel an diesem Abend in Berlin reichen aus, um zu verstehen: Die alten Mittel sind unzureichend. 



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U
nd hier ein Video zu seiner Vorlesung . Bislang über 6 Mio Zugriffe.