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2016-06-21

Drei Fragen an: Manuel Neukirchner, Direktor Deutsches Fußballmuseum Dortmund

Drei Fragen an: Manuel Neukirchner, Direktor Deutsches Fußballmuseum Dortmund
Kaum eine Sportart löst so viele Emotionen aus wie Fußball: Begeisterung und Verzweiflung liegen dicht beieinander. Doch was macht eigentlich die besondere Faszination Fußball aus? mfm hat mit jemandem darüber geredet, der es wissen muss: Manuel Neukirchner, Museumsdirektor des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund.

Herr Neukirchner, pünktlich zu Beginn der Fußball-Europameisterschaft haben Sie am 10. Juni in Ihrem Haus die „EM Arena“ eröffnet. Was erwartet die Besucher?

Wir bieten hier Fußball-Geschichte zum Nachfühlen und Anfassen. Wir haben einen Private-Viewing-Bereich eingerichtet, mit bequemen Liegestühlen und Tribünenplätzen. Hier kann man sich alle Partien der Deutschen Nationalmannschaft, die Halbfinal-Begegnungen und das Endspiel live ansehen. Bei den ersten beiden deutschen Spielen herrschte eine tolle Stimmung hier. Man kann sich auch mit dem EM-Pokal fotografieren lassen. Oder sich auf eine spezielle EM-Erlebnistour begeben – vorbei am Endspielball aus dem Finale 1972 Deutschland gegen die Sowjetunion oder auf die Spur von Oliver Bierhoffs Golden Goal zum deutschen Titelgewinn 1996. Natürlich stellen wir auch den Kader des aktuellen Nationalteams vor: in einer multimedialen Inszenierung sprechen Spieler und Trainer über ihr Verständnis von Teamgeist und ihre Erlebnisse mit der MANNSCHAFT.


Wie erklären Sie sich die besondere Faszination Fußball?
Im Fußball treffen die Ordnung und Struktur des Spiels auf die Gefühlsstürme und Euphorie bei den Fans. Kein anderer Sport erzeugt eine solche Verbundenheit, unabhängig von Herkunft und sozialem Umfeld. Die großen Augenblicken des deutschen Fußballs sind zu Kristallisationspunkten identitätsbildender deutscher Erinnerungsgeschichte geworden sind. Selbst der Informationsgehalt von Daten und Fakten sind beim Fußball mit starken Emotionen verbunden. Ergebnisse lösen Begeisterung oder Verzweiflung aus – und manchmal leider auch Exzesse und Gewalt. Die permanente Vergegenwärtigung historischer Wegmarken, verbunden mit den vielen scheinbar kleinen Fußballereignissen, das macht den Fußball zum kulturellen Phänomen und zu einer ganz besonderen Spielart der nationalen Gedächtniskultur über jedes Millieu hinweg. Das Deutsche Fußballmuseum inszeniert die großen und kleinen Fußballmythen mit den dazugehörigen Schlüsselbildern. Wir präsentieren ikonografische Momente um Ruhm und Scheitern, um strahlende und traurige Helden, um Fans und Fankulturen, um Augenblicke, die sich zur bleibenden Erinnerung wandeln.


Ihr Tipp, wer wird Europameister 2016?
Ich war beim Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen die Ukraine selbst in unserer EM-Arena im Deutschen Fußballmuseum und habe mitgefiebert. Ich glaube, dass Deutschland den Titel holen kann. Der vierte EM-Pokal würde sich sicher gut in unserem Museum machen.