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2016-08-23

Verschwommen und im Hintergrund: Der Regierende Bürgermeister von Berlin im Wahlkampf

Kommunikationstrend August

Verschwommen und im Hintergrund: Der Regierende Bürgermeister von Berlin im Wahlkampf
Ok. Wir haben es verstanden. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller will alles anders machen als sein Vorgänger. Nicht er steht im Vordergrund, sondern die Berliner. Es geht nicht um scharfe Porträts, sondern um eine klare Haltung. So hat das sein Kampagnenchef, Frank Strauss von der Agentur Butter, im Spiegel erklärt.

Rund 800 Plakate stellt die SPD dafür auf. Besonders prominent ist dabei das Motiv einer Frau mit Kopftuch, die eine Rolltreppe herabfährt. Und wer kommt Ihr da entgegen? Ja, wer nur? Es ist möglicherweise Michael Müller, der ihr freundlich und mit der unvermeidbaren Sakko-Über-Die-Schulter-Lässigkeit ins Gesicht schaut. Die einzigen Worte auf dem Plakat: Müller, Berlin. Und #Berlinbleibtweltoffen. Kein SPD Logo.

Auffällig unauffällig

Es gibt einen schöne Satz des englischen Comedians David Mitchell. Der sagte einmal, er versuche immer nur genau so unauffällig zu sein, dass seine Unauffälligkeit nicht auffällig wird. ("One of the codes I live my life by is that my appearance should be in no way noteworthy, but then again, not so unnoteworthy as to be in itself noteworthy." )

Die Plakate von Michael Müller schaffen es nicht, diese Balance zu halten. Wer 800 Mal plakatieren lässt, dass es eigentlich gar nicht um ihn geht, der ist zu auffällig unauffällig, der hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Zumal sich die Macher der Kampagne auch die Frage stellen lassen müssen, warum es die Berliner immer nur von hinten zu sehen gibt.

Natürlich ist es unfair, eine Kampagne allein anhand ihrer Plakate zu beurteilen. Aber die Berliner lesen immer weniger Zeitung, Twitter ist nicht massenkompatibel und das Fernsehen immer weniger politisch. Da muss auch dieses alte Medium Plakat in die Bütt und eine klare Aussage nicht nur ein Gefühl zu einer Person transportieren.

Die Angst vor der Haltung der anderen

Die anderen Parteien haben das offenbar verstanden. Die CDU schreibt zum Beispiel: „Mehr Videotechnik – Nur mit uns“. Die AfD lässt vermeintliche Berliner Bürger für sich sprechen. So sagt ein bärtiger Hipster, dass er es nicht so gut findet, wenn sein Drogendealer Sozialhilfe bekommt.

Jetzt kann man zu mehr Videoüberwachung stehen wie man will. Und man kann die Botschaften der AfD als gesteigert schwachsinnig empfinden. Aber immerhin kann ich dazu eine Meinung haben. Zu einem verschwommenen, gefühligen Herrn Müller kann ich das nicht. Und das ist angesichts dessen, was die anderen Parteien machen, geradezu furchteinflößend.

Von Christopher Hauss, bei Twitter unter @chhauss

#agh2016