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2015-02-06

Drei Fragen an Ulrike Amoruso (BDP)

Von Pflanzen und Lebensmitteln

Drei Fragen an Ulrike Amoruso (BDP)
Ulrike Amoruso
1. Frau Amoruso, Die "Grüne Woche" in Berlin ist zu Ende gegangen, bekannt ist die Messe vor allem dadurch, dass sie für eine ganze Woche lang die wohl "größte Fressmeile der Welt" ist. Was macht da eigentlich der Bundesverband der Deutschen Pflanzenzüchter auf der Grünen Woche? Gab es bei Ihnen auch was zu Essen?
An unserem Stand gab es nicht direkt etwas zu essen. Aber aus unseren Produkten - den Pflanzensorten - entsteht nach einem langem Produktionsprozess Essen in Form hochwertiger Lebensmittel. Die Entwicklung einer neuen Sorte kann bis zu 25 Jahre daueren. Unter dem Motto Pflanzenzüchtung: mehr von weniger! Flächen bewahren - Boden schonen - Biologische Vielfalt stärken machen wir auf der Grünen Woche deutlich, dass Züchtungsfortschritt der effizienteste Weg ist, die landwirtschaftliche Erzeugung nachhaltig zu steigern. Dies ist besonders im Hinblick auf das Thema Welternährung und vor dem Hintergrund des weltweiten Bevölkerungswachstums von besonderer Bedeutung. Immer mehr Nahrungsmittel müssen auf nahezu gleichbleibender Fläche erzeugt werden. An ausgewählten Kulturarten zeigen wir, welche Erfolge dank Pflanzenzüchtung in den letzten Jahrzehnten erzielt und wie Anbaueignung und Ernteergebnisse der bedeutendsten Kulturarten immer weiter optimiert werden konnten. Eines meiner Lieblingsbeispiele ist Rapsöl. Früher war es Lampenöl und ungenießbar. Dann wurden die Bitterstoffe herausgezüchtet und heute ist das Öl aus keiner Küche mehr wegzudenken.<br><br>

2. Sehr oft wird Pflanzenzucht in Deutschland in einem Atemzug mit Gentechnik genannt. Viele denken sofort an Genmais oder an die Debatte um die die Kartoffelsorte "Linda". Was sagen denn die Pflanzenzüchter dazu?<br><br>

Es stimmt, dass die Branche in der öffentlichen Wahrnehmung häufig auf eine einzige Züchtungsmethode reduziert wird. Das hat leider zu einem Imageschaden geführt. Dabei ist Gentechnik nur eine von ganz vielen Züchtungstechniken, die alle auf der Basis von Kreuzung und Selektion beruhen. Den Sorgen in der Bevölkerung versuchen wir durch seriöse und transparente Informationen zu begegnen. Mich persönlich sorgt die Innovationsskepsis, die wir hierzulande zunehmend verzeichnen. Das betrifft auch andere Wirtschaftszweige. Wir müssen aufpassen, dass der Innovationsstandort Deutschland nicht den Anschluss an die weltweiteren Entwicklungen verliert.
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3.) Die deutschen Pflanzenzüchter haben eine lange Tradition und viele sind Familienbetriebe. Welche Chance haben diese Unternehmen, wenn TTIP kommt? Werden die nicht durch US-Firmen wie Monsanto einfach erdrückt?
Der internationale Wettbewerb ist für unsere Unternehmen sehr wichtig. Schon jetzt erwirtschaften die deutschen Pflanzenzüchter einen Großteil ihres Umsatzes im Ausland. Transatlantischen Ver-handlungen über ein Freihandelsabkommen stehen wir daher grundsätzlich offen gegenüber. Der hohe Standard des Verbraucherschutzes in der EU für den Saatgutverkehr darf aber auf keinen Fall zur Disposition gestellt werden und hat weltweit Vorbildcharakter. Die in Europa obligatorische Sortenzulassung schützt die Landwirte vor minderwertigem Sortenmaterial.
Die bei den landwirtschaftlichen Arten obligatorische amtliche Saatgutzertifizierung sichert die Qualität des Saatgutes. Bewährt hat sich hierbei das Prinzip der Einbeziehung der Wirtschaft unter amtlicher Überwachung. An diesen Errungenschaften möchten die deutschen Pflanzenzüchter festhalten.
Das in den USA existierende Schutzrechtssystem fußt in erster Linie auf Patenten. Dies hat zur Folge, dass nur in margenstarke Kulturarten investiert wird und die Selbstbefruchter wie Kartoffel, Getreide oder Leguminosen das Nachsehen haben. Ferner fehlt die im deutschen Sortenschutz verankerte Züchtungsausnahme. Diese ist ein wesentlicher Motor des Züchtungsfortschritts, da sie jedem Pflanzenzüchter die freie Weiterzüchtung mit auf dem Markt befindlichen Sorten erlaubt. Hier müssen die bewährten europäischen Standards unbedingt erhalten bleiben. <br><br>

4.) Die IGW hatte 2014 fast eine halbe Million Besucher zu verzeichnen. Neben Fachpublikum sind darunter auch viele Familien und Privatpersonen. Bringt eine solche Messe eigentlich tatsächlich etwas für das eigene Fachgebiet? Kann man da den Messebesuchern das Thema Pflanzenzucht vermitteln?
Wir sind Partner des ErlebnisBauernhofes und dieser ist seit Jahren ein Anziehungspunkt für Fa-milien und Schulklassen. Mit Hilfe von interaktiven und zielgruppenspezifischen Elementen nutzen wir hier die Möglichkeit, Informationen zur Pflanzenzüchtung auf unterhaltsame Art vermitteln. Die Erfahrung zeigt, dass die Verbraucher grundsätzlich an dem Thema interessiert sind. Wir sehen uns als Teil der Land- und Ernährungswirtschaft. Deshalb ist es uns wichtig, mit den anderen Verbünden der Branche auf der Grünen Wochen vertreten zu sein und ganz praktisch über ihre Leis-tungen zu informieren und die Kette von der Sortenentwicklung bis zum Teller darzustellen.