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2017-06-29

Global Food Summit: Interview mit "Heads of Project", Stephan Becker-Sonnenschein & Boris Kochan

Drei (+1) Fragen an Stephan Becker-Sonnenschein & Boris Kochan

Global Food Summit: Interview  mit "Heads of Project", Stephan Becker-Sonnenschein & Boris Kochan


Der Global Food Summit wird am 29. und 30. November 2017 in Berlin stattfinden und bringt die führende Köpfe aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen. Der Gobal Food Summit wird in Kooperation mit der Universität von Kalifornien, Berkeley durchgeführt, mit der Wageningen Universität und mit dem International Consortium on Applied Bioeconomy Research in Rom.

Stephan Becker-Sonnenschein ist ein ausgewiesener Kommunikationsexperte mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in verschie-densten Branchen. Zuletzt war er Geschäftsführer des Vereins DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT in Berlin.

Boris Kochan ist ein international profilierter und multitalentierter Designer und Unternehmer. Er ist der Präsident des Deutschen Designtags, Sprecher der Sektion Design im Deutschen Kulturrat sowie Mitgründer von Slow Food Deutschland.


1. Ein Gründer von Slow Food Deutschland und ein Mann aus der Lebensmittelindustrie machen gemeinsam einen internationalen Kongress zur Lebensmittelwirtschaft, den Global Food Summit in Berlin. Kann das gut gehen?

Stephan Becker-Sonnenschein:
Aber sicher doch. Boris Kochan und ich haben ein gemeinsames Verständnis von Lebensmitteln, das wohl am besten durch das Wort "Esskultur" umschrieben wird. Wir schätzen und genießen Lebensmittel und alles, was man daraus herstellen kann, genauso wie die Menschen, ohne die es diese Produkte gar nicht geben würde – egal ob in der Landwirtschaft, der Industrie oder dem Handel. Uns eint auch das Verständnis, dass viele Produkte industriell bearbeitet werden müssen, um Ressourcen nicht zu verschwenden und nachhaltig zu wirtschaften.

Boris Kochan: Du kannst nicht nicht essen – Lebensmittel, also "Mittel zum Leben" beschreibt auf das Schönste die Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen, und zwar jeder ganz persönlich: alles soll bitte naturnah, regional oder gar lokal sein, genauso wie auch am liebsten sowohl authentisch und autochthon. Überall da, wo diese Vorstellung von Bewirtschaftung und Verteilung an ihre Grenzen kommt, bedarf es nachhaltiger, ethisch und moralisch vertretbarer Alternativen. Es ergibt überhaupt keinen Sinn, sich dem zu verschließen – besser wir gestalten Zukunft, anstelle dass sie mit uns gemacht wird.


2. Wie ist die Idee zum Global Food Summit ent-standen, welches Ziel hat er?

Becker-Sonnenschein: Wir wollen eine Plattform bieten, auf der sich Wissenschaft, Unternehmen und Politik begegnen und über die Herausforderung einer künftigen Ernährung von 9 Milliarden Menschen diskutieren. Der gesellschaftliche Diskus zu diesem Thema ist notwendig, da Lebensmittel für eine stark wachsende, städtische Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft eine zentrale, insbesondere auch emotionale Rolle spielen. Sehr schnell kann die Freude am Essen durch Ängste und Ressentiments überschattet werden – gerade auch wenn beispielsweise belegbare Vorzüge innovativer Produktionsformen für die eigene Gesundheit durch mangelndes Wissen negiert werden. Hier wollen wir mit dem Global Food Summit den Diskurs beleben.

Kochan: Als sich vor über sechs Jahren Stephan Becker-Sonnenschein das erste Mal bei mir meldete, erklärte ich ihn für verrückt: ausgerechnet mich wollte er gewinnen, die kommunikative Ausrichtung des damals in Gründung befindlichen Spitzenverbandes aller Interessensorganisationen der Lebensmittelbranche "DIE LEBENS-MITTELWIRTSCHAFT" mit zu entwickeln – den Slow-Food- und Foodwatch-Beförderer in jeweils ganz frühem Beginn, jahrelang mit familieneigenem Hof in der Toskana und begeistert vom Schlachten natürlich aufgezogener Schweine. Erst als deutlich wurde, dass wir hier in großer Unabhängigkeit und in Verbindung mit einem wissenschaftlichen Beirat nicht platte Lobbyarbeit, sondern fundiertes Agendasetting betreiben könnten, habe ich zugestimmt mitzuarbeiten.

Es ist gelungen, viele Medien für die Komplexität des Themas zu sensibilisieren – und in gewisser Weise ist der Global Food Summit die konsequente Fortsetzung dieser Arbeit. Mit unglaublich starken Partnern wie der University of California, Berkeley, der Universität Wageningen und der ICABR werden wir an der Zukunft unserer Ernährung arbeiten, mit großem Respekt vor der Natur und Solidarität mit den Verbrauchern, aber eben auch ohne Scheuklappen – entlang der ganzen Lebensmittelkette vom Bauern über die Industrie bis zum Händler.


3. Warum sollte man sich da unbedingt anmelden?

Becker-Sonnenschein: Diese internationale Konferenz gibt einen fundierten Überblick, sie versammelt Redner aus Wissenschaft, Praxis und Politik. Sie hilft allen, ob Startups oder etablierten Unternehmen, wirtschaftlich interessante Chancen und Nischen zu erkennen, die zugleich die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN adressieren.

Kochan: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben." Diese Zeilen in Hermann Hesses Gedicht "Stufen" beschreiben in wunderbarer Weise die Chancen des Beginns und des Neuen, was sowohl die Konferenz wie auch das Thema generell betrifft. In unserer Konferenz wird die Zukunft der Ernährung verhandelt – das geht jeden an, und all jene, die diese unternehmerisch, wissenschaftlich oder politisch mitgestalten wollen... und müssen insbesondere!


4. Was ist Ihre Idee von einem richtig guten Essen und bitte eine Weinempfehlung dazu?

Becker-Sonnenschein: Ein richtig gutes Essen zeichnet sich durch die Vorbereitung aus. Man braucht dazu Frisches, sowohl was Obst und Gemüse als auch Fleisch oder Fisch betrifft, Gewürze, aber oft auch Zutaten aus Gläsern und Dosen oder Tiefgefrorenes. Die Freude am Verfeinern, an der individuellen Ausgestaltung eines Rezeptes und der Austausch während und nach dem Essen machen ein richtig gutes, genussvolles Erlebnis aus. Für Spaghetti jeder Zubereitungsart oder Lammfleisch bin ich immer zu haben. Der Wein dazu richtet sich nach den Speisen. Ich persönlich schätze Port oder Beerenauslese zur Nachspeise. Zum Hauptgang vielleicht einen Saint Emilion und einen schönen, fruchtigen Riesling aus dem Rheingau zur Vorspeise.

Kochan: Gutes Essen verbindet, bringt Energie und macht zugleich gelassen. Warum nur beginnen gute Freundschaften oft beim Essen und Trinken, beim Feiern? Wer dann noch gerne selbst oder gar gemeinsam kocht und Gastfreundschaft zelebriert, der kann zur Völkerverständigung beitragen. In diesem Sinne: Lust und Genuss, die Suche nach immer neuen vielfältigen Geschmäckern treibt mich in nahe und ferne Länder – und wieder nach Hause, um es selbst auszuprobieren. Der Wein dazu ist gerne von befreundeten Winzern aus der ganzen Welt: heute Abend gibt es als Mitternachts­suppen zum Ende eines Festes eine Mulligatawny-Soup und Gazpacho mit Stangen­sellerie und Mango. Und dazu einen Clemens-Busch-VdP-Riesling "Vom Roten Schiefer 2012" von der Mittel-Mosel und einen "Verdicchio di Matelica DOC Fogliano 2013" von der Azienda Agricola Bisci aus den Marken.