Aktuelles-Icon

News

2017-08-23

Interview mit Transfermarkt.de

Interview mit Transfermarkt.de
Dennis Krämer ist der Redaktionsleiter des Online-Portals Transfermarkt.de. Transfermarkt ist eine der führenden Sportseiten im deutschsprachigen Raum und bündelt sämtliche Nachrichten und Informationen über einen Fußballspieler bis hin zu dessen Marktwert. 

1. Herr Krämer, 222 Millionen Euro hat der französische Klub Paris Saint Germain für den brasilianischen Stürmer Neymar an den FC Barcelona überwiesen. Werden dreistellige Millionenablösen zur Norm für gute Spieler oder bleiben sie eine Ausnahme?

Generell wird der Trend anhalten, dass die Ablösesummen steigen, da immer mehr Geld – etwa durch Investoren oder TV-Gelder – in den Markt gegeben werden. Die 100 Millionen-Grenze wird in Zukunft voraussichtlich öfters durchbrochen werden. Das wird keine Ausnahme mehr sein. Allerdings: Die Summe von 222 Millionen, die Paris Saint-Germain in diesem Sommer für Neymar zahlte, wird in naher Zukunft nicht zum Regelfall werden – allein schon deshalb nicht, weil sie auch in diesem Sommer kein Regelfall war.

Schließlich handelte es sich streng genommen nicht um eine ausgehandelte Ablöse, sondern um eine Ausstiegsklausel, die aktiviert wurde. Im Zuge dessen haben viele Klubs, die die Verträge mit ihren Stars vorzeitig verlängern konnten, die festgeschriebenen Ablösesummen in deren Verträgen vorsorglich nach oben geschraubt. Die Ausstiegsklausel im neuen Vertrag von Real Madrids Spielgestalter Isco etwa, soll künftig bei 700 Millionen Euro liegen. Das wird auch Investoren von Manchester City und PSG noch eine Weile abschrecken.. 

 
2. Wie werden sich die Entwicklungen auf dem Transfermarkt auf die Bundesliga auswirken? Wird die Bundesliga bald die nächste Spielwiese von Scheichs und chinesischen Megainvestoren? 

Auswirkungen auf die Bundesliga sind bereits im aktuellen Transferfenster deutlich spürbar. Durch den Transfer von Neymar und die damit verbundene Ablösesumme ist eine Art „Domino-Effekt“ in Gang gesetzt worden. Der FC Barcelona versucht mit dem Geld nun einen Nachfolger zu verpflichten und hat dabei auch Dortmunds Ousmane Dembélé ins Visier genommen. Das Geld könnte  also bei einem Transfer zu einem erheblichen Teil in die Bundesliga fließen. Der BVB wiederum könnte durch die Einnahmen aus einem Dembélé-Transfer das Geld seinerseits wieder in einen Neuzugang investieren.

Dass die Bundesliga zur "Spielwiese" chinesischer Mega-Investoren wird, verhindert aktuell noch die so genannte 50+1-Regel. Aber es ist bereits so, dass sich Bundesligisten den neuen Märkten in China und Arabien öffnen – etwa indem sie dort ihre Sommer-Trainingslager inklusive Testspiele absolvieren oder aber Kooperationspartner und Investoren suchen.

 
3. Montagsspiele, Anstoßzeiten um 13.30 Uhr und ein Wirrwarr um die Übertragungsrechte - Nimmt der deutsche Profifußball noch Rücksicht auf die Befindlichkeiten der einfachen Fans?

Durch die Ausweitung der Spieltage auf Montage verspricht sich die DFL aufgrund der höheren Zahl von Exklusivterminen mehr Einnahmen aus dem Verkauf der TV-Rechte. Eine Rechnung, die wirtschaftlich aufzugehen scheint. Dieser Trend birgt aber auch die Gefahr, dass Fans – für die es entscheidend ist, ihre Teams vor Ort im Stadion zu unterstützen – nicht mehr alle Termine wahrnehmen können. Ein Beispiel: Dortmund wäre am Montag in Berlin zu Gast. Für einen solchen Termin müsste sich ein Dortmunder Fußballfan zwei Tage Urlaub nehmen, um An- und Abfahrt bewerkstelligen zu können. Von den Kosten ganz zu schweigen. Auswärtsfans, die zur Stimmung in den Stadien entscheidend beitragen, werden somit zwangsläufig weniger werden. Das kann nicht im Interesse der Vereine sein, die bislang jedoch erstaunlich zurückhaltend öffentlich Stellung zu diesem Thema genommen haben.

Das Verhältnis zwischen den Klubs und ihren Anhängern ist längst belastet. Wichtig wird es sein, dass die Bundesliga Distanzen bei der Spieltagsgestaltung konsequent berücksichtigt. Sonst werden die Belange der Fans vollends hinter die wirtschaftlichen Interessen zurückgestellt. Und das, obwohl die Fans das Bundesliga-Geschäft mit Eintritts- und Merchandising-Geldern mitfinanzieren. Das Paradoxe daran: Die Fans, die die Auswärtsfahrten an Montagen mangels Urlaubtagen künftig nicht mehr wahrnehmen können, finanzieren dieses Modell trotzdem indirekt mit: Indem sie die Spiele daheim auf der Couch live im TV oder Internet verfolgen – wofür sie wiederum das Geld bezahlen, auf das dieses Modell abzielt.