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2015-03-06

Drei Fragen an Kathrin Koehler zu Social Media

Was bringen Facebook & Co?

Drei Fragen an Kathrin Koehler zu Social Media
1. Frau Koehler, Sie halten Vorträge zu Facebook & Co, beraten Unternehmen, führen Schulungen durch und sind selbst im Netz aktiv. Ihr Herz schlägt offensichtlich für die Sozialen Netzwerke. Wie wichtig sind Social Media heute?

Soziale Netzwerke sind tolle Werkzeuge für alle, die sich öffentlich positionieren wollen. Einige Menschen scheuen sich sehr, in diesem Ausmaß präsent zu sein. Hier setze ich in meinen Trainings an, senke die Hemmschwellen und vermittle Sicherheit. Ich habe schon Mitarbeiter motiviert, die mit verschränkten Armen und dem Ausspruch „zu Facebook bekommen mich keine zehn Pferde und Sie schon gar nicht“ vor mir standen. Das nehme ich sportlich – ganz oft hat dann im Vorfeld ein Agenda-Setting über die Medien stattgefunden, die selbst heute noch sehr technikfeindlich eingestellt sind und entsprechend berichten. Ich kenne auch Menschen, die sehr glücklich sind ohne eine Präsenz im sozialen Web. Sie setzen zumeist auf Präsenznetworking – das gibt’s ja auch immer noch und kann mit großem Erfolg betrieben werden. Allerdings lassen diese Menschen Potenziale ungenutzt – ob nun bewusst oder aus Ignoranz.

2. Laut der aktuellen Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft setzen mittlerweile 38 Prozent aller deutschen Unternehmen auf Social-Media-Maßnahmen. Welche Chancen und Risiken sind mit diesem Engagement verbunden?

Mit dem Engagement lassen sich die meisten Kommunikations-Ziele erreichen. Mit dem Abverkauf wird es da schon schwieriger – das variiert von Branche zu Branche. Sie können auch als Arbeitgeber klar ihr Image bilden und im Bereich Customer-Relationship-Management viel reißen. Ich kenne Beispiele mit beachtlichen Einsparungen im direkten Kundensupport durch den Einsatz von Blogs und sozialen Netzwerken. Voraussetzung dafür sind gute Planung und Dialogwille – hier hapert es bei vielen aus Ressourcenmangel gepaart mit fehlendem Knowhow. Betrübt sehe ich dann verschenkte Chancen: aktive Endverbraucher oder Interessenten, die auf ignorante und stumme Anbieter prallen – das ist schon richtig nach hinten losgegangen. Als Risiko empfinden die meisten Organisationen, dass sie öffentlich Kritik einstecken müssen. In den Workshops diskutieren wir oftmals intensiv und emotional darüber, wie hier der Blickwinkel geändert werden kann – und muss. Transparenz ist eben unbequem.


3. Scheinbar findet eine Revolution der Social Media statt: Bei Facebook sinkt die Zahl der regelmäßigen Nutzer, Instagram hat Twitter mittlerweile überholt. Was bringt uns die Zukunft?

Facebook ist aktuell für mich der Platzhirsch, aber ohne Garantie für die nächsten zehn Jahre. An seiner Seite sehe ich das starke Youtube, das oftmals nicht als Soziales Netzwerk wahrgenommen wird, aber im Netz richtig was bewegt. „Mobile first“ ist als notwendige Erfolgsformel mittlerweile gesetzt – in diesem Bereich sehe ich nach wie vor Defizite bei Facebook. Die Nutzer wechseln die Kanäle nach ihren Bedürfnissen sehr schnell, so dass die Märkte nach wie vor sehr dynamisch sind. Neue Anbieter kommen nach vorne, wenn sie Kundenbedürfnisse gezielt und smart bedienen – nehmen sie WhatsApp oder den Bilder-Killer Snapchat, der vor allem in den USA großen Zulauf hat. Generell gilt: Die nachwachsenden Generationen wollen weiterhin unter sich sein und weichen auf Kanäle aus, wo die eigene Großmutter oder der Vater zunächst mal keine Kontrolle hat. Außerdem erwarte ich, dass sich die Anbieter noch weiter ausdifferenzieren werden nach Lebensbereichen oder Lebensstilen – denken Sie an Xing fürs Business oder runtastic für den Sport. Da freue ich mich auf noch viele schöne Anwendungen und Subnetzwerke.