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2015-07-12

mfm im Interview mit Frido Mann, dem Enkel Thomas Manns.

mfm im Interview mit Frido Mann, dem Enkel Thomas Manns.
Frido Mann in Berlin
mfm: Sie sind bereits zum dritten Mal mit einem Vortrag an der Kant-Oberschule zu Gast, warum?

 Frido Mann: Der erste Kontakt mit der Kant-Schule kam über die Urania (1) zustande. Ich war dort für eine Lesung. Aber der Leiter der Urania wußte, dass ich schon an einigen anderen Schulen Lesungen oder Vorträge durchgeführt hatte. Ich mach das auch gerne. Die Schulen heute merken, dass sie ein Problem haben. Dadurch, dass die einzelnen Fächer so zersplittert, und nur auf sich selbst konzentriert sind, ist es für die Schüler aber auch für die Schulen oft schwer, Gesamtzusammenhänge darzustellen. Das habe ich gemerkt und gedacht, da könnte ich vielleicht ein bisschen kompensieren und den Schülern zeigen wo Zusammenhänge sind, oder zumindest: wo diese zu suchen sind. 

(Anm des Verf. (1): Die Urania in Berlin versteht sich als Dialogplattform zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Den Verein gibt es in Berlin seit 125 Jahren)

mfm: In der Zürcher Zeitung von 2008 habe ich einen Satz über Sie gelesen, dass Sie „…. den uralten humanistischen Traum weiter träumen - Frieden stiften durch das Zusammenführen der Menschheits-Familie“. Ist es das, was Sie vielleicht in der Kant-Schule verwirklicht sehen? 

Frido Mann: Ja. Genau das finde ich so speziell an den Schulen hier: Es gehen nicht einfach nur verschiedene Nationen zusammen zur Schule, sondern die Schule selbst versteht sich sich ja als internationale Schule mit einer Lingua Franca, dem Englischen. Und das finde ich auch besonders schön und hat mich bewogen, hier die Abiturrede zu halten. Ich schätze den Umgang mit den Jugendlichen sehr, sie haben noch diese Unbefangenheit, diese Frische und Offenheit. Ich möchte ihnen zurufen: Schaut zu, dass ihr euch das noch sehr lange bewahrt. 

mfm: Der Titel Ihrer Rede heißt: „Es gibt kein Rezept dafür“. Was dürfen wir darunter verstehen? 

Frido Mann: Schulen müssen ja eine feste Struktur, einen Lehrplan anbieten. Wer sein Abitur macht, ist nun an dem Punkt angelangt, wo das Strukturierte plötzlich aufhört. Jetzt gehts raus ins Leben - und was erwartet einen da? Da stellt sich jeder Abiturient die Frage: Was tut man denn da, so plötzlich auf sich alleine gestellt? Und da möchte ich ein bisschen helfen und erklären, denn die alten, gewohnten Bezüge gehen ja verloren. Ich kann mich noch genau erinnern, wies bei mir war. Der Abschied von der festen Gruppe, den Freunden.

Ich möchte dabei helfen, sich in dieser Situation selbst ein Stück weit zu hinterfragen. Es reicht eben nicht, sich nur Ziele zu setzen und diese dann zu erreichen, ganz egal wie schlecht die Mittel dazu sind. Sondern man muss achtsam vorgehen und einen Weg suchen, der für sich selbst, aber auch für anderen sinnvoll sein könnte. 

Der Schul-Abschluss ist ein Punkt, an des es nicht mehr reicht, nur im Klassenzimmer zu sitzen, und sich auf die Schulstrukturen zu konzentrieren. Denn wir leben hier in Deutschland ja auf eine Insel der Seligen: Wenn wir schauen, was in Südeuropa oder im Nahen Osten vor sich geht, damit muss man sich jetzt ja aktiv auseinandersetzen - auf sich gestellt. Das ja eine Herausforderung. 

mfm: In den Kant-Schulen gibt ja auch Kinder mit bekannten Eltern oder Großeltern. Kam da schon mal ein Schüler nach einer Rede auf Sie zu und hat gefragt, wie man im Schatten eines großen Namens sein eigenes Leben findet? 

Frido Mann: (lacht) Nein, das hat mich noch niemand gefragt. Aber wenn jemand fragen würde, dann würde ich antworten: Da muss man langsam rauswachsen und seinen eigenen Weg finden. Das fällt einem nicht in den Schoß. Da wird man oft falsch verstanden, oder man wird mit einem Klischee bedacht und man muss lernen, damit umzugehen. Man darf auch nicht auf all zu viel Vorschuss-Lob hereinfallen. Aber sich auch nicht abschrecken lassen, wenn man eine aufs Dach kriegt, wenn man den Erwartungen nicht genügt. Das ist ein Prozess. 

mfm: Eine Frage, die weg führt von der Schule: Als Schriftsteller und Spross einer Schriftstellerdynastie, was ja einen sofort an gedruckte Bücher denken lässt - wie gehen Sie selbst mit digitalen Medien um? 

Frido Mann: Ich mache kaum noch was auf Papier; digital zu arbeiten ist für mich eine enorme Erleichterung. Früher musste man Fehler mit Tippex verbessern, das war so mühsam. Heute ist das wesentlich besser. Digitale Medien sind nicht der Tod des Buches.