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2015-10-05

Drei Fragen an Schuhbeck: “Heute bist du ein toller Typ, wenn du kochen kannst”

Drei Fragen an Schuhbeck: “Heute bist du ein toller Typ, wenn du kochen kannst”
Die Anuga, die weltweit führende Ernährungsmesse für Handel und Gastronomie, steht vor der Tür. Gemeinsam mit unserem Kunden DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT wird auch mfm dabei sein. Unser Thema: Innovation und Lebensmittel. Wir haben deshalb mit dem Münchener Koch Alfons Schuhbeck gesprochen, über Kochkunst als modernes Golfspielen, respektvollem Kochen und innovative Küchentechnik, die einem Denkarbeit abnimmt.

Herr Schuhbeck, Sie sind einer der renommiertesten und bekantesten Köche in Deutschland und haben dem Land eine hochwertige Küche näher gebracht. Gleichzeizig arbeiten Sie in hochmodernen High-Tech-Küchen. Wie passen das Kochen und innovative Technologien für Sie zusammen?

Heute fährt man ja auch nicht mehr Autos mit Scheibenbremsen wie vor 50 Jahren. Eigentlich ist moderne Technik nur eine Hilfestellung für einen Koch oder eine Hausfrau, die sich leicher tun, Gerichte zu zubereiten. Diese neuen Öfen und Herde bieten dem Endverbraucher letztendlich an, dass er noch schonender und respektvoller, vitaminreicher, mineralstoffenreicher kochen kann als früher. Früher konnte man auch die Hitze nicht so kontrollieren, das kann man heute ganz genau.

Die Steuerung der Küchengeräte mit einem App ist eine Erleichterung im Alltag für den einen und eine Herausforderung für den anderen. Wie stark vertrauen Sie den heutigen Kücheninnovationen?

Wir in der Profiküche haben natürlich Induktionsherde. Leute verbrennen sich nicht mehr, es ist ein sauberes Arbeiten, es ist doppelt so schnell wie Gas, es ist hygienisch für das Auge und es macht wirklich Spaß. Im Haushalt ist es so, dass man mit der Technik noch einen drauflegt. Alles wird man nicht brauchen, aber man könnte es prüfen, ob man es braucht. Wir können uns der Technik nicht mehr entziehen. Die Welt schreitet immer weiter nach vorne und je sicherer es wird, je besser es wird desto desto besser wird es für denjenigen, wer kocht.

Ein mitdenkender Herd, ein Themperatursensor für den Kochtopf und multifunktionale Küchenmaschinen nehmen einem modernen Menschen ein Stück Küchenarbeit ab. Für Sie als professioneller Koch – sind diese Innovationen eher störend oder nützlich?

Es ist immer nützlich. Wir haben in der professionellen Küche immer mehr technisch versiertere Abläufe, sei es bei den Kühlanlagen oder bei den Öfen. Wir nutzen seit 15 Jahren Induktionsherde und kommen damit bestens zurecht. Wenn es technisch kompliziert zu sein scheint, dann muss sich der Endverbraucher das sauber erklären lassen, und dann wird er sehen, dass modernes Kochen eigentlich leichter und sicherer ist, als es früher war.

Die Ernährung für die jungere Generation ist stark vom Lifestyle geprägt. Dank Rezept-Communities, Barcode-Apps und einem Essensbildertrend lernen die Kinder von heute das Kochen nicht im Elternhaus sondern auf eigener Recherche. Wie sehen Sie das?

Ja, heute kann man sich Rezepte von einer App runterladen und alles im Internet nachschauen. Menschen trauen sich an Gerichte ran, die sie noch nie gesehen haben. Die jungen Leute können viel leichter mit diesen Apps umgehen, sie wachsen damit auf. Wenn man sich aber solchen Dingen entschleppt, ist es später schwierig das nachzuholen. Ich bin 66 und für mich ist es auch leichter, wenn ich mir einen Kühlschrank kaufe, der mir viel Denkarbeit abnimmt. Ich kann mich dann auf das Wesentliche konzentrieren.

Es gibt heute viele Fernsehesendungen, wo man sehr viele Dinge sieht. Es gibt auch noch Familien, wo die Elten ihren Kindern die ersten Grundkenntnisse im Kochen beibringen und Leute miteinander kochen. Kochen ist eigentlich geworden wie Golfspielen. Früher warst du ein toller Typ, wenn du Golf spielen konntest. Heute bist du ein toller Typ wenn du kochen kannst. Kochen ist heute Lifestyle. Kochen heist “Ich lade dich ein und dann koche ich für dich” und dann wirkst du als Mann wesentlich höher als jemand, der gar nicht kocht.

Früher waren 60% Frauen bei uns im Kochkurs, heute sind 70% Männer und 30% Frauen - so hat sich das geändert. Der Mann hat das Kochen für sich neu entdeckt und ist stolz auf sich wenn er kochen kann und sportlich ist und gut ausschaut. Bei Frauen ist es auch schicker, wenn sie eine Leidenschaft zum kochen haben. Sie machen heute 30-Minuten Gerichte - bisserl Gemüse, bisserl Salat, Hähnchen oder Filet anbraten. Oder sie machen Crossover-Gerichte und kombinieren Früchte mit Gemüse oder sie machen tolle Säfte und Smoothies um den Zeitgeist zu erwischen.

Trends Ernährung: progressive Proteine, verstärkte Nachfrage für Produkte ohne bestimmte Zutaten – was werden wir morgen essen, Herr Schuhbeck?

Also, wenn man sich ausgewogen ernährt, braucht man keine Tabletten und keine nahrungsergänzende Mittel. Wer sich bewegt, so wie es sich gehört, wer sich ein bisschen sportelt, ausgewogen und geschmacklich gut ernährt, der braucht keine Tabletten zu nehmen. Wenn man nie was  im Leben gemacht hat und dann mit 50 tut alles weh, dann ist es klar, dass man auf einmal etwas machen muss, was man früher versäumt hat. Eine ausgewogene gute Ernährung mit richtig Bewegung - und dann braucht man gewisse Medikamente nicht.

Vielen Dank.