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2015-11-06

Mit Liebe und Leidenschaft - Nachbetrachtungen zum Symposium

Mit Liebe und Leidenschaft - Nachbetrachtungen zum Symposium
Scharfzüngig, spannend und auf den Punkt: Die Vorträge von Prof. Hannelore Daniel von der TU München und vom Herausgeber des Tagesspiegels in Berlin, Sebastian Turner "rocken" den vollen Meistersaal in Berlin. Beide sind Anlass für die rund 150 Zuhörer des Symposiums, diese Vorträge in der Kaffeepause heftig zu diskutieren. Sebastian Turner hält der gesamten Lebensmittelwirtschaft den Spiegel vor und erklärt in einem einzigen Chart, warum die Lebensmittelwirtschaft die Leitmedien nicht erreicht. Grund: weil sie nur 0,01 Prozent ihrer Ausgaben für Leitmedien verwenden, dafür aber 99,9 Prozent für die weniger einflussreichen Begleitmedien. Die Entscheidungsträger und Meinungsmultiplikatoren werden nicht angesprochen. Unter anderem geht es in der Kommunikation auch um Emotionen. Die Autoindustrie beispielsweise schafft es gut mit neuen Erfindungen Gefühle zu vermitteln. Eine emotionale Kommunikation für Innovation bei Lebensmitteln ist eine nächste Stufe, damit der generierte Fortschritt in der Gesellschaft erkannt und genutzt wird – die sogenannte License to operate", so Turner. Das hat Wirkung. 

Ebenso der Vortrag von Prof. Hannelore Daniel. Für sie geht die Zukunft der Ernährung ganz klar in Richtung personalisierte Lebensmittel. Diese Lebensmittel werden mittels Genotypisiserung, also über die Bestimmung meiner Gene, die abgefragt werden sowie über meine Lebens- und Verhaltensweisen individuell am Computer zusammengestellt. Kurzum: Ich gebe als gläserner Verbraucher meine Lebensdaten komplett preis. Diese Daten werden dann in einem Datenzentrum gesammelt und ich bekomme - digital - Einkaufsvorschläge, Lebensmittelberatung und eben personalisierte Lebensmittel per 3D-Drucker nach Hause geliefert.  

Das Wort Datenschutz wäre dann nur noch ein romatischer Begriff aus dem 20. Jahrhundert, an den sich einige später wehmütig erinnern werden, dass sie mal dafür gekämpft haben. Denn laut Prof. Daniel, sprechen sich in Großbritannien bereits rund 70 Prozent der Verbraucher für eine Genotypisierung aus. 

Anlass für diese Diskussion und eigentliches Hauptthema des Symposiums "Essbare Innovationen" war aber die gemeinsame Studie mit der Fraunhofer Allianz Food Chain Management über das Thema: Wie sehen die deutschen Verbraucher Innovationen, und wann werden sie akzeptiert?

Dr. Mark Bücking, Geschäftsführer der Fraunhofer Allianz Food Chain Management, hat die Studie vorgestellt und erläutert. Interessant dabei ist - und so schließt sich der Kreis zu Prof. Daniel -  dass das Interesse an Innovationen der Verbraucher zu 63 Prozent auf Gesundheit und gesunde Ernährung liegt. Die im Juli 2015 durchgeführte, repäsentative Studie hat auch ergeben, dass sich der Verbraucher wünscht, mehr beim Thema Innovationen beteiligt zu werden, und mehr darüber erfahren will.  

“Für einen Verbraucher ist eine Innovation erst dann eine Innovation, wenn sie einen persönlichen Nutzen für seine Gesundheit, eine erhöhte Sicherheit von Lebensmitteln oder einen globalen Nutzen für die Gesellschaft bringt,” so Geschäftsführer DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT e. V. Stephan Becker-Sonnenschein zur Eröffnung des Symposiums.

Die Begrüßung übernahm, wie schon im letzten Jahr, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Maria Flachsbarth. 

Über Eindrücke aus dem Silicon Valley hat der CEO der Veripan AG, Meiert J. Grootes berichtet: während Europäer sich lange überlegen etwas auf den Markt zu bringen, sind Amerikaner viel schneller und aktiver: sie machen erstmal, lernen aus möglichen Fehlern und korrigieren sie. Sie wollen etwas verändern und nicht perfekt sein.
Meiert J. Grootes hatte auch die Frage nach der mangelnden Kommunikation zwischen Verbrauchern und der Lebensmittelbranche bei Innovationen gestellt und es mit einer fehlenden Dringlichkeit in Europa erklärt: “Uns geht es noch zu gut.” Eine Innovation als technologische Prozessveränderung ist ein diffuses und abstraktes Wort für den Endverbraucher. Der Mehrwert von aktuellen Innovationen sollte transparent gemacht und der Eigenvorteil dem Verbraucher erklärt werden. Denn das Vertrauen ist ein entscheidender Faktor beim Einkaufen der Lebensmittel.
 
Dr. Hanns-Ernst Kniepkamp von Slow Food Deutschland e.V. hat ein Ergenbis der Fraunhofer-Studie bestätigt - zu 80 Prozent wollen Menschen das essen, was ihnen in erster Linie schmeckt. Dr. Kniepkamp hat darauf hingewiesen, dass keiner der aktuellen Trends in der Lebensmittelwirtschaft, sei es Gesundheit oder Convenience, das eine Prinzip an Wichtigkeit nicht überschreiten, worum es beim Essen geht: nämlich den Geschmack. “Für oder gegen Produkte, die von der geschmacklichen Norm des Verbrauchers abweichen, sprechen das eigene Kulturgut und die Sozialisierung”, so Kniepkamp.

Die Verbraucher teilen das Essen zum größten Teil sehr einfach ein - in lecker oder eben nicht lecker.