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2015-11-24

Drei Fragen an: Flüchtlingspaten Syrien, Berlin.

Drei Fragen an:  Flüchtlingspaten Syrien, Berlin.
Foto: Christian Ditsch
Die hohen Flüchtlingszahlen im Sommer und Herbst 2015 erwecken bei manchem den Eindruck, als wäre eine Flucht aus Syrien problemlos möglich – doch auch in den letzten Monaten konnte nur herkommen, wem die lebensgefährliche Flucht übers Mittelmeer gelungen ist. Tausende haben dort ihr Leben gelassen. Dagegen wendet sich die Initiative "Flüchtlingspaten Syrien" und hilft Angehörigen von schon in Deutschland lebenden Syrern dabei, einen sicheren Fluchtweg zu finden. Wir haben mit einem ihrer Gründer, Martin Keune, gesprochen. Wer spenden will, kann das übrigens auf www.fluechtlingspaten-syrien.de.

Wie funktioniert das Projekt Flüchtlingspaten Syrien?
Wir nutzen die Aufnahmeprogramm der Bundesländer, die Flüchtlingen das Nachholen ihrer Angehörigen erlauben – wenn ein so genannter „Verpflichtungsgeber“ sich bereit erklärt, den Lebensunterhalt und die Miete der Hereingeholten zu bezahlen. Weil diese Verpflichtung zB in Berlin und Brandenburg unbefristet gilt, wäre das ein ziemliches finanzielles Risiko für diese Unterschriftswilligen. Deshalb sammeln wir mit unserem Verein monatliche Patenschaften ein – wiederkehrende Beträge ab 10€ im Monat –, die einen gemeinsamen Pool füllen. Aus diesem Pool werden der Lebensunterhalt und die Miete der Hereingeholten bezahlt, so dass dem Verpflichtungsgeber, solange es uns gibt, keinerlei Kosten entstehen.
Fast 50 Verpflichtungsgeber holen so mit unserer Hilfe bisher rund 80 Menschen direkt aus dem Krieg in Syrien hierher. 1.661 Patinnen und Paten bringen für deren Unterhalt monatlich mehr als 41.000 € auf.

Was für eine Rolle spielt Integration bei Ihrem Projekt?
Wir glauben, dass gerade intakte Familien die besten Chancen haben, Teil unserer Gesellschaft zu werden – und unterstützen diese Integration zum Beispiel mit unseren täglichen Sprachkursen, zu deren Teilnahme wir die Hereingeholten verpflichten. Wir helfen dabei, eine Arbeit zu finden, Schule und Kita. Und wir betreuen jede einzelne Familie mit unserem Lotsenkonzept, das über stetige Ansprechpartner/innen den Weg in die Integration verbindlich begleitet.

Was kann jemand tun, der Ihnen helfen will?
Natürlich freuen wir uns über jede Einzelspende, weil wir auch hohe Kosten für die Flugkosten oder Unterkünfte der Hereingeholten während der Flucht haben. Vor allem brauchen wir aber für unsere Budgetierung regelmäßiges, wiederkehrendes Geld – da sind uns 10 € jeden Monat lieber als einmalig 100.
Wer richtig konsequent helfen will (und mehr als 1.700 € netto/Monat verdient), wird selbst Verpflichtungsgeber/in und unterschreibt für einen konkreten Menschen. Wir helfen dabei und tragen anschließend auch die Kosten der Hereingeholten. Es gibt kein schöneres Gefühl, als jemanden aus dem Krieg Geretteten mit seiner Familie am Flughafen abzuholen!